§ Artikel
Home / Blog / Kein WordPress
28. SEP 2025 · 12 Min

Warum wir kein
WordPress
mehr bauen.

Eine ehrliche Abrechnung. Kein Hass auf WordPress als Tool — aber eine kritische Einordnung, warum es für 80 % der kleinen und mittleren Betriebe die falsche Wahl ist. Und was stattdessen funktioniert.

Gliederung

// Die Ausgangslage
// Die versteckten Kosten
// Die Alternativen
// Wann WordPress doch Sinn ergibt

01 · Kontext

Wie die meisten Handwerker-Seiten aussehen.

Bevor Betriebe zu uns kommen, haben 70 % eine WordPress-Seite. Gebaut zwischen 2012 und 2019, oft von einem lokalen "IT-Menschen" oder einer Mini-Agentur. Der Lighthouse-Score liegt meistens zwischen 25 und 45. Die Ladezeit bei 4–8 Sekunden. Die Seite hat 15 bis 40 Plugins installiert, von denen die Hälfte Sicherheitsupdates braucht. Schema.org gibt es nicht. Der Kontaktformular funktioniert, Anfragen kommen trotzdem kaum — weil die Seite in den Rankings auf Position 30+ hängt.

Das ist kein schlechter Einzelfall, das ist die Norm.

02 · Versprechen

Was WordPress verspricht.

Die Werbung für WordPress ist seit 15 Jahren die gleiche: "günstig, flexibel, selbst zu pflegen". Jedes dieser Versprechen lohnt sich, genauer anzusehen:

Günstig

Der Einstiegspreis ist niedrig (50–200 €/Jahr Hosting, ein paar Stunden Einrichtung). Die Gesamtkosten über 3 Jahre sehen anders aus: Plugin-Lizenzen (oft 100–500 €/Jahr gesamt), Wartung, Updates, regelmäßige Security-Audits, Performance-Optimierung — realistisch 1.500–3.000 €/Jahr zusätzlich, wenn man es ernst meint. Wer das spart, bekommt die Rechnung spätestens beim ersten Hack oder Speed-Problem.

Flexibel

Ja — aber auf eine problematische Art. Jedes Plugin ist ein Abhängigkeits-Risiko. Mit 20 Plugins hat man 20 mögliche Sicherheitslücken. Jedes Theme-Update kann das Layout brechen. "Flexibel" bedeutet in der Praxis oft "fragil".

Selbst zu pflegen

Theoretisch. In der Praxis: Die wenigsten Kunden, die das Versprechen kauften, pflegen ihre Seite wirklich selbst. Die Seite veraltet, Plugins werden nicht aktualisiert, das Design wirkt irgendwann unzeitgemäß.

03 · Kosten

Die wahren Kosten.

Rechnen wir für einen 10-Personen-Handwerksbetrieb durch:

WordPress-Seite über 3 Jahre

  • Einrichtung/Theme: 2.000 €
  • Premium-Plugins (Yoast, WPML, Elementor Pro, Gravity Forms, Wordfence): 600 €/Jahr = 1.800 € über 3 Jahre
  • Hosting (brauchbare Leistung): 240 €/Jahr = 720 €
  • Wartung (realistisch mindestens 4 Std/Quartal á 80 €): 1.280 €/Jahr = 3.840 €
  • Einmal pro Jahr größerer Eingriff (Plugin-Konflikt, Relaunch, Security): 800 €/Jahr = 2.400 €
  • Gesamt 3 Jahre: 10.760 €

Statische Custom-Seite über 3 Jahre

  • Entwicklung: 4.000 €
  • Hosting Cloudflare Pages: 0 €
  • Wartung-Retainer (1 Std/Monat): 80 €/Monat = 960 €/Jahr = 2.880 €
  • Keine Plugin-Kosten, keine Security-Panik, keine Speed-Optimierung nötig
  • Gesamt 3 Jahre: 6.880 €

Die Custom-Seite ist nach 3 Jahren 3.880 € günstiger — und performt zusätzlich deutlich besser in SEO, UX und Sicherheit.

04 · Alternativen

Was wir stattdessen bauen.

Für 80 % der Projekte: statische Sites

Handgeschriebenes HTML/CSS/JS oder Astro-basiert. Deployed auf Cloudflare Pages oder Vercel. Ladezeit unter 1 Sekunde, Lighthouse 90+, null laufende Security-Sorgen. Der Kunde pflegt Texte über ein Headless CMS (Sanity, Payload) oder schickt uns im Retainer monatlich Änderungen.

Für Content-intensive Seiten: Headless CMS + Frontend

Wenn ein Kunde regelmäßig Blog-Artikel, Case Studies, Newsroom-Einträge selbst pflegen will, koppeln wir ein Headless CMS (Sanity oder Payload) an das Frontend. Editier-Komfort wie WordPress, Performance wie statisch.

Für E-Commerce: Shopify oder Shopware

Bei echten Shops raten wir von WooCommerce ab. Shopify für kleine bis mittlere Shops, Shopware 6 bei deutschen Anforderungen oder starker Individualisierung.

05 · Ausnahmen

Wann WordPress doch Sinn ergibt.

Wir sind nicht dogmatisch. Es gibt Fälle, wo WordPress das richtige Werkzeug ist:

  • Sehr content-lastige Publisher mit mehreren Redakteuren: Das WordPress-Backend ist für Redaktionsteams immer noch Top-Klasse.
  • Wenn der Kunde bereits tief in WordPress drin ist und Nebenbenutzer das System beherrschen.
  • Mitgliederportale mit LMS (Learning Management) oder komplexem Forum — dafür ist WordPress erprobt und es gibt gute Plugins.
  • Projekte mit strikten Budgetgrenzen unter 2.500 € — dann ist ein gut gebautes WordPress manchmal die pragmatischste Lösung.

Außerhalb dieser Fälle? Die meisten Kleinunternehmen profitieren von einer schlankeren, performanteren, sichereren Lösung.

06 · Fazit

Die Zeit ist reif.

2012 war WordPress für fast jedes Projekt eine gute Wahl — die Alternativen waren selten, das Ökosystem war Königsklasse. 2026 ist die Welt anders. Cloudflare Pages, Vercel, Astro, Headless CMS, statische Seiten mit Edge-Delivery — das alles ist ausgereift, günstig und leistungsfähig. Für die meisten Handwerks-, Medizin- und Mittelstandsseiten ist WordPress wie ein Kleintransporter für den Weg zum Briefkasten: übertrieben für die Aufgabe, zu langsam für ernste Ziele, zu teuer im Unterhalt.

Wir bauen kein WordPress mehr — weil wir für unsere Kunden bessere Ergebnisse liefern können, wenn wir es nicht tun.

Beratung

Was passt
für dich?

Wir beurteilen gern deine aktuelle Seite und machen einen ehrlichen Vorschlag — ob Relaunch, Umzug oder "erst mal lassen". Kostenfreies Erstgespräch.