Lighthouse 100
Ist das noch
realistisch?
Die Frage höre ich in jedem Kick-off: "Schafft ihr 100?" Die ehrliche Antwort: Können wir — aber es ist selten sinnvoll. Hier die Zahlen, warum 95+ der Sweet Spot ist und wo der Grenznutzen von Perfektionismus aufhört.
// Was misst Lighthouse?
// Warum 95+ reicht
// Kosten der letzten 5 Punkte
// Was Google wirklich will
Was Lighthouse eigentlich misst.
Lighthouse ist Googles Audit-Tool, das vier Bereiche bewertet: Performance, Accessibility, Best Practices, SEO. Jeder Bereich bekommt eine Punktzahl von 0 bis 100. Die meisten Kunden sehen nur die Zahlen und denken: "Je höher, desto besser." Das stimmt, aber mit einem wichtigen Caveat.
Die Punktzahlen sind nicht linear. Von 60 auf 80 sind die Verbesserungen oft einfach: Bildoptimierung, Caching, Komprimierung. Von 80 auf 95 wird es anspruchsvoller. Von 95 auf 100 wird es teilweise pathologisch — du optimierst für Millisekunden, die kein Mensch merkt, und opferst dafür oft Funktionalität.
Wichtig zu verstehen: Lighthouse ist ein synthetischer Test, kein Messwert echter Nutzer. Der Score hängt von der Hardware des testenden Geräts, der simulierten Verbindung und sogar der Tageszeit ab. Zwei Tests derselben Seite können um ±5 Punkte schwanken.
Warum 95+ der Sweet Spot ist.
In unseren Projekten liefern wir konsistent Lighthouse-Scores von 95 bis 100 — je nach Seite, Inhalt und Integrationen. 95+ zu erreichen bedeutet in der Praxis:
- Ladezeit unter 1,5 Sekunden auf 4G-Verbindung
- Core Web Vitals grün — LCP < 2,5s, CLS < 0,1, INP < 200ms
- Kein Render-Blocking durch große CSS/JS-Dateien
- Semantisches HTML, das Screen-Reader korrekt interpretieren
- Alle Bilder in WebP/AVIF mit passenden Größen
- HTTPS, CSP-Header, valide Zertifikate
Für Google ist 95+ effektiv dasselbe wie 100. Ranking-mäßig gibt es keinen messbaren Unterschied. Der Algorithmus fragt nicht "was ist die Lighthouse-Zahl", sondern "sind die Core Web Vitals im grünen Bereich". Die sind bei 95+ bereits erreicht.
Was es kostet, die letzten 5 Punkte zu jagen.
Der Grenznutzen flacht bei 95 drastisch ab. Um von 95 auf 100 zu kommen, muss man oft Dinge weglassen oder umbauen, die der Nutzer tatsächlich braucht:
Google Analytics / Tracking
GA4-Snippet zieht die Performance um 2 bis 3 Punkte nach unten. Alternative: Server-side Tracking oder Plausible — aber das kostet extra. Frage: Willst du lieber 100 Punkte oder ordentliches Tracking?
Externe Schriften
Google Fonts verursacht eine zusätzliche DNS-Auflösung. Self-Hosting ist die saubere Lösung, aber Schriftlizenzen sind dann oft ein Thema — und manchmal sind die Designs nicht austauschbar.
YouTube-Embeds
Ein eingebetteter YouTube-Player kann den Score um 5 bis 10 Punkte ruinieren. Facade-Technik (erst Lite-Preview, dann Vollplayer bei Klick) löst das — aber nicht jedes CMS unterstützt das nativ.
Interaktive Features
Chatbot-Widget, Cookie-Banner, Live-Chat — jedes dieser Features kostet Punkte. Man kann sie lazy-loaden, aber das braucht Custom-Code.
Unsere Faustregel: Die letzten 5 Punkte kosten so viel Entwicklungszeit wie die ersten 50. Rechne selbst, ob das deinen Geschäftszielen dient.
Warum Core Web Vitals doch wichtig sind.
Lighthouse und Core Web Vitals werden oft verwechselt. Lighthouse ist der synthetische Test, Core Web Vitals sind die echten Messwerte aus Chrome-Nutzer-Sessions (CrUX-Daten). Google nutzt Letztere für das Ranking, nicht Lighthouse.
Die drei aktuellen Core Web Vitals:
- LCP (Largest Contentful Paint): Wann wird das größte Element sichtbar? Ziel: < 2,5 Sekunden
- CLS (Cumulative Layout Shift): Wie stark verrutscht das Layout beim Laden? Ziel: < 0,1
- INP (Interaction to Next Paint): Wie schnell reagiert die Seite auf Klicks? Ziel: < 200ms (seit März 2024 der Ersatz für FID)
Die Core Web Vitals findest du in der Google Search Console unter "Erfahrung → Core Web Vitals". Dort siehst du, wie Nutzer deine Seite wirklich erleben — nicht wie ein Audit-Tool es simuliert.
Unsere Empfehlung.
Setze dir folgende realistische Ziele:
- Lighthouse Performance: 95+ auf der Startseite, 90+ auf allen Unterseiten
- Lighthouse SEO: 100 — das kostet wenig und Google schätzt es
- Lighthouse Accessibility: 95+ — auch rechtlich zunehmend relevant (BFSG)
- Best Practices: 95+ — meist automatisch durch saubere Code-Basis
- Core Web Vitals: alle drei grün — das ist das einzige, was Google wirklich für Ranking nutzt
Wer dir Lighthouse 100 als Marketing-Argument verkaufen will, hat entweder wenig gebaut, viel weggelassen oder keinen Plan. Wer dir erklärt, warum 95+ mit funktionierendem Tracking und vollem Feature-Set das bessere Geschäft ist, weiß, was er tut.
95 ist das neue 100.
Lighthouse ist ein nützlicher Indikator, kein Wettkampf. Der Score ist ein Mittel, nicht das Ziel. Das eigentliche Ziel ist: schnelle Seiten, zufriedene Nutzer, gutes Ranking, funktionierende Geschäftsprozesse.
Bei unseren Projekten liefern wir garantiert 90+ — und bauen dabei Tracking, Chatbots, Schrift-Einbindung, Cookie-Banner ganz normal ein. Weil es für den Kunden relevant ist. Die magischen letzten 5 Punkte sparen wir uns — und unseren Kunden dadurch echtes Geld.